Geschichte

Die Reichstagswahlen 1874


Es ist eine liberale Stimme abgegben worden. Der Schulmeister kriegt von heute ab keine Kartoffeln mehr

10. Januar 1874: Das gesamte Deutsche Kaiserreich horchte auf und war schockiert. Im Reichstagswahlkreis 9, er bestand aus dem Kreis Oldenburg und Teilen der Kreise Plön, Segeberg und Storman, war ein Sozialdemokrat zum Reichstagsabgeordneten gewählt worden. Der Wahlkreis 9, auch Grafenecke genannt, war dominiert vom Großgrundbesitz. Hier herrschte noch der Gutsherr und die vorhandenen Bauern saßen auf Zeitpachtstellen. Industrie und Gewerbe gab es kaum, Landarbeiter und Tagelöhner stellten den Großteil der Bevölkerung. Dem Sozialdemokraten Otto Reimers, er war Zigarrenarbeiter aus Altona, gelang es mit 8.098 gegen 6.871 Stimmen den Universitätsprofessor Wilhelm Seelig aus Kiel im Kampf um ein Reichstagsmandat zu schlagen. Seelig gehörte der Fortschrittspartei an, die Konservativen hatten keinen Kandidaten aufgestellt.
Dieser Wahl war eine gezielte, auf die Landarbeiter zugeschnittene „Agitation“ durch Reimers und dem „ADAV“ vorausgegangen. Auf zahlreichen Versammlungen, so u.a. in Oldenburg, Grönwohldshorst, Thomsdorf und Beschendorf, gelang es ihnen das „Agrarproletariat“ zu mobilisieren. Ein „Aktivist“ dieser Zeit war der Tagelöhner Friedrich Radden aus Thomsdorf.
Das Wahlergebnis war insofern bemerkenswert, da das Wahlrecht die Sozialdemokraten in vielen Punkten benachteiligte. Wählen durften nur männliche Deutsche über 25 Jahre, Militärangehörige und Bezieher einer Armenunterstützung durften nicht wählen. Die Wahlen wurden stets an einem Werktag von 10:00 bis 16:00 Uhr angesetzt, Arbeitnehmer mussten also ihren Arbeitsplatz für die Zeit ihrer Stimmabgabe unter dem Risiko von Verdiensteinbußen und Sanktionen verlassen. Eine geheime Wahl war durch die Ausgabe von Stimmzetteln durch die Parteien ebenfalls nicht gegeben.
Dieses überraschende Wahlergebnis von 1874 ließ sich jedoch bei der nächsten Reichstagswahl 1877 nicht wiederholen.

 

Anfänge der SPD in Riepsdorf


Bürgermeister Peter Ott

Seit wann gibt es die SPD in der Gemeinde Riepsdorf? Lesen Sie dazu den folgenden Artikel.

Die SPD in der Gemeinde Riepsdorf

Die Geschichte der SPD in der Gemeinde Riepsdorf beginnt nicht erst nach dem 2. Weltkrieg im Jahr 1946, wie der Ortsverein neu gegründet wurde. Nein, schon zu den ersten Kommunalwahlen nach Gründung der Gemeinde Riepsdorf im Jahr 1929 traten Sozialdemokraten an.
Zum 30.9.1928 waren die Gutsbezirke aufgelöst worden und aus dem Gutsbezirk Koselau waren die Orte Koselau, Quaal und Riepsdorf zur neuen Gemeinde Riepsdorf zusammengefasst worden. Die Dörfer Thomsdorf, Altratjensdorf und Gosdorf waren seit 1867 eigenständige Gemeinden im Amt Grube, sie kamen erst 1937 zur Gemeinde Riepsdorf. Riepsdorf dagegen wurde von dem neugeschaffenen Amt Lensahn verwaltet, ab 1937 dann zusammen mit den anderen 3 Dörfern als Großgemeinde Riepsdorf dem Amt Grube zugeordnet.
Zum ersten Gemeindevorsteher, wie es damals hieß, wurde der Sozialdemokrat Fritz Prüß gewählt. Nach der Machtergreifung der Nazis wurden er und 4 andere Gemeindevertreter jedoch abgesetzt und durch 5 neue, angepasste Nazis ersetzt.
Die ersten freien Wahlen nach dem Krieg im September 1946 erbrachten eine SPD-Mehrheit und der Genosse Peter Ott wurde zum Bürgermeister gewählt.
Peter Ott blieb bis 1951 Bürgermeister, dann gab es wieder Wahlen und in der Gemeinde kam es nun zu der Bildung einer Einheitsliste.

 

Einheitsliste 1951

Im Jahr 1951 gab es in der Gemeinde Riepsdorf sechs Jahre nach Kriegsende, drei politische Verbände. Die „Sozialdemokratische Partei Deutschland“ (SPD), sie stellte den Bürgermeister P. Ott, den „Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten“ (BHE), und die „Wahlgemeinschaft Riepsdorf“ (WGR). Die CDU sollte erst 1966 gegründet werden. Die Einwohnerzahl Riepsdorfs hatte sich durch die vielen „Flüchtlinge“ um 50% auf ca. 1500 vergrößert. Die Heimatvertriebenen stellten somit ein großes Potential an Wählerstimmen dar. Vielleicht war die Angst der Alteingesessenen vor einer Übermacht des BHE mit ein Grund sich vor der Wahl zusammenzusetzen und eine Einigung über die Aufteilung der Gemeinderatsmandate zu treffen. Auf Einladung von Bürgermeister Peter Ott (SPD) trafen sich die Vertreter der drei Gruppen am 1. April 1951 im „Mittelpunkt der Welt“ zwecks Gründung einer Wahlvereinigung.
Diese Wahlvereinigung stellte, wie es in ihrer Bekanntmachung hieß, „zur Vermeidung eines Wahlkampfes“ eine „Einheitsliste“ auf, die die „Zustimmung“ aller Parteien fand. Für die 11 Plätze in der Gemeindevertretung standen auch nur 11 Namen auf der Liste! Dieses waren: 1. v. Zitzewitz 2. Urbschat 3.Möller 4. Ott 5. Manthey 6. Pelzer 7. Voss 8. Balzer 9. Reiss 10. Schuldt 11. Kottke
Es gab also nicht nur in der DDR Einheitslisten.
Die neue Gemeindevertretung wählte dann den Hauptlehrer der Riepsdorfer Volksschule, Wilhelm Möller (WGR), zum Bürgermeister. Möller, geboren auf dem Lindenhof bei Ostenfeld im Kreis Rendsburg, blieb bis zu seiner Pensionierung als Lehrer im Jahr 1961 Bürgermeister der Gemeinde Riepsdorf.

 


Bürgermeister Möller

Bürgermeister Wilhelm Möller
1951 - 1961

W. Möller war Hauptlehrer
an der dreiklassigen
Riepsdorfer Volksschule.

Bürgermeister Langbehn 1961 - 1974

Zum Nachfolger von Möller wurde 1961 der Thomsdorfer Landwirt Richard Langbehn (Prienerberg) von der WGR gewählt. Im Jahr 1966 gründete die CDU einen Ortsverband Riepsdorf und zur Kommunalwahl 1974 stellten sie sich neben der SPD und der WGR den Bürgern zur Wahl. R. Langbehn trat aus Altersgründen nicht mehr an.
Während seiner Amtszeit schloss sich die Gemeinde dem Zweckverband Karkbrook an, die Müllabfuhr wurde eingeführt und der Anschluss an die zentrale Wasserversorgung Karkbrook beschlossen. In diesen jahren konnte die Gemeinde auch etliche Gemeindewege asphaltieren. Bewegung kam in die Riepsdorfer Kommunalpolitik Ende der 60er / Anfang der 70Jahre.Im Ortsteil Koselau entstand eine Protestbewegung!

 

Der Koselauer Freiheitskampf


Die Koselauer Kapelle

Das Dorf Koselau, hervorgegangen aus dem Gut Koselau durch die Aufsiedelung im Jahr 1956, war schon immer wirtschaftlich, kirchlich und auch durch private Beziehungen nach Lensahn ausgerichtet gewesen. Die Kinder aus Koselau-West besuchten sogar die Damloser Volksschule. (Die Gruber Amtsverwaltung sollte noch 30 Jahre später diese Hartnäckigkeit zu spüren bekommen.) Nachdem die beiden Feuerwehren Riepsdorf und Altratjensdorf bereits mit einem TSF vom Typ VW ausgerüstet waren, wünschte sich die Wehr Koselau 1968 einen „Hanomag“. Die Gemeindevertretung wollte aber eine Gleichbehandlung der Feuerwehren und lehnte das technisch modernere Fahrzeug ab. Trotz des Angebotes der Koselauer die Mehrkosten selbst zu tragen, es blieb beim Nein. Daraufhin machte sich ein gewisser Unmut in Koselau breit und es fanden sich dann auch noch andere Gründe um einen Bürgerausschuss im „Gasthaus Braesch“ in Damlos zu gründen. Es wurden Unterschriften gesammelt (99% der Koselauer) und am 10.6.1969 ein Antrag gestellt, Koselau aus der Gemeinde Riepsdorf auszugemeinden (was natürlich abgelehnt wurde), und an die Gemeinde Damlos, Koselau einzugemeinden (was natürlich am 7.7.1969 von der Damloser Gemeindevertretung einstimmig angenommen wurde)! Nun, die Kommunalaufsicht des Kieler Innenministeriums macht diesem Freiheitskampf schnell ein Ende und lehnte die Koselauer Pläne ab.
Doch jetzt standen die Kommunalwahlen 1970 vor der Tür, die Koselauer gründeten flugs die „Wählergemeinschaft Koselau“ (selbstverständlich bei Braesch in Damlos) und beteiligten sich an der Gemeindewahl, um die Koselauer Interessen in der Gemeinde besser vertreten zu können. Das Ergebnis waren drei Plätze in der Riepsdorfer Gemeindevertretung (H. v. Zitzewitz, H. Reimer und R. Döring). 1972 bekam die FF Koselau dann ihr TSF Hanomag und zur Wahl 1974 löste sich die Wählergemeinschaft Koselau auf, die CDU trat mit H. v. Zitzewitz zur Wahl an, und stellte mit ihm auch sofort den Bürgermeister.( Die Koselauer hatten jetzt nur noch 2 Gemeindevertreter: H.v. Zitzewitz und für die SPD H. Hay ) Die Wahlgemeinschaft Riepsdorf trat dann 1978 auch nicht mehr zur Wahl an und löste sich auf.